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DHB-Sichtung w05

Vom 27.02.-01.03.2020 durfte ich zusammen mit meinem Trainerkollegen Tom Eck, unserem Landestrainer Christoph Kolodziej und unseren beiden Physiotherapeutinnen Franziska Kubasta und Anika Kleinlein mit Bayerns Landesauswahl des Jahrgang 2005 zur 1. DHB-Sichtung  nach Heidelberg fahren. Wir erreichten zusammen mit unserem tollen Team ausgezeichnete Ergebnisse. Das Sichtungsturnier gewannen wir durch einen Finalsieg gegen die Auswahl aus Niederrhein. Drei Spielerinnen - darunter Lisa Fuchs vom HC Erlangen als MVP (Most Valuable Player) – erreichten das achtköpfige All-Star-Team. Bei den sportmotorischen Tests erreichte unser Team zwei 1. Plätze beim Standweitsprung mit einer durchschnittlichen Weite von 2,11 m und bei der Wurfgeschwindigkeit aus dem Stand mit durchschnittlich 70 km/h. Hinzu kommen drei 2. Plätze beim Shuttle-Run-Test mit durchschnittlich 09:50 min., beim Prellen im Achterlauf mit durchschnittlich 25,03 sec und beim Torhütertest mit durchschnittlich 0,89 sec Reaktionszeit. Drei 3. Plätze im 20m-Sprint – durchschnittlich 3,21 sec, beim Turnen – Note 2,1 - und beim Counter-Movement-Jump (Messung der Sprunghöhe) – durchschnittlich 31 cm – runden das hervorragende Ergebnis ab. Nur bei den Liegestützen waren wir mit durchschnittlich 17 Stück und dem 7. Platz schwächer.

Bei den Grundübungen und- spielen zeigten unsere bayerischen Mädchen großes Engagement und eine hohe Leistungsbereitschaft. Dies wurde von den sichtenden DHB-Trainern positiv hervorgehoben.

Das Handballturnier wurde in zwei Gruppen ausgetragen. Wir erreichten am 1. Spieltag am Freitag zwei Siege. Gegen Rheinland/Pfalz wurden bei einer Spielzeit von 2x 15 min. beide Halbzeiten, die jeweils getrennt gewertet wurden, deutlich mit 10:2 und 10:3 gewonnen. Nach Vorgabe des DHB wurde in der 1. Halbzeit in einer 3-2-1 Formation und in der 2. Halbzeit in 6-0 Formation gedeckt. Auch das anschließende Penaltywerfen mit Pass von der Torhüterin gegen eine verfolgende Abwehrspielerin gewannen wir mit 4:1. Im zweiten Spiel trafen wir dann auf die favorisierten Württembergerinnen. Im Rahmen des Südcamps im Sommer hatten wir gegen diesen Gegner noch keine Siegchance und verloren deutlich. Dieses Mal hatten jedoch wir verdient die Nase vorn. Vor allem in der extrem offensiven 3-2-1-Formation in der 1. Halbzeit waren wir den Württembergerinnen überlegen und „stahlen“ ihnen immer wieder geschickt die Bälle. Die wurden dann auch noch durch ein schnelles Tempospiel in Zählbares umgesetzt. Herausragend in einem kompakten Team war hier Lisa Fuchs auf der Vorne Mitte Position, die unter anderem durch millimetergenaue Pässe und ein nahezu fehlerloses Entscheidungsverhalten bestach. Daneben stabilisierte Sophia Ewald mit unbändiger Laufarbeit und geschicktem Antizipieren die Deckung, während Mia König und Svenja Demmel auf den Halbpositionen aggressiv aber immer fair verteidigten. Mit 14:8 ging diese Spielhälfte fast sensationell an unser Team. Im zweiten Spielabschnitt setzte sich unsere Überlegenheit bis zum 8:5 Zwischenstand fort. Ein vergebener Siebenmeter – insgesamt eines der Handlungsfelder für die Zukunft – leitete die Aufholjagd Württembergs ein. Wir retteten am Ende aber doch noch ein 9:9 Unentschieden ins Ziel. So fiel das mit 2:4 verlorene Penaltywerfen nicht mehr ins Gewicht.

Am Samstagnachmittag fanden die beiden weiteren Gruppenspiele statt. Gegen Mittelrhein erlebten wir in der 1. Halbzeit ein böses Erwachen, als wir diese mit 8:9 verloren. Unzählige vergebene Großchancen und ungewohnte technische Fehler ermöglichten es dem Gegner die Spielhälfte für sich zu entscheiden. In der 2. Halbzeit zeigten Lisa Fuchs & Co. dann wieder ihr „wahres“ Gesicht. 15:4 wurden diese 15 Spielminuten gewonnen. Da aber das Penaltywerfen mit 2:3 verloren ging, verloren wir überraschend das Gesamtspiel. Über diesen etwas seltsam anmutenden Spielmodus darf man sich wundern, wenn bei einem Gesamtresultat von 23:13 ein Spiel verloren wird. Aber so sind nun mal die aus dem Beach-Handball entnommenen Regeln. Im abschließenden Gruppenspiel gegen Südbaden musste also ein Sieg her, um im Rennen um Platz 1 kein weiteres Terrain einzubüßen. In der 1. Spielhälfte entwickelte sich ein spannendes Spiel, welches wir mit 7:6 für uns entscheiden konnten. Erst in der 6:0-Formation waren wir wieder überlegen und siegten 11:4. Diesmal gewannen wir sogar das Penaltywerfen – und das durch präzise Pässe von Torhüterin Laura Hoke sogar mit 5:0. Im direkten Vergleich mit Württemberg und Mittelrhein war auf Grund des besseren Torverhältnisses das Finale am Sonntag erreicht.

Dieses Finale bot den zahlreichen Zuschauern im Heidelberger Olympiastützpunkt tollen Mädchenhandball auf hohem Niveau. Rassige Zweikämpfe, technische Raffinessen, tolle Torwartparaden und strukturiertes Angriffsspiel boten beste Unterhaltung. Letztlich konnten wir beide Halbzeiten mit 9:7 und 11:8 und somit die gesamte Partie für uns entscheiden. Das mit 2:3 verlorene Siebenmeterwerfen konnten wir da locker verschmerzen.

Fazit:

Wir zeigten als Team einen großen Zusammenhalt und funktionierten mit hoher Kooperationsbereitschaft und einem individuell herausragenden Deckungsspiel. Das Tempospiel über die präzisen Pässe von Lisa Fuchs und variablen Abschlüssen war ein Trumpf. Im Angriffsspiel gibt es bei der Abwehrbindung in Kreuzungen und bei gezielten Sperrsituationen noch Steigerungsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass wir die kurzfristige verletzungsbedingte Absage von Linkshänderin Julika Birnkammer verkraften mussten, die eine wichtige Rolle im Team spielt. Sie war den DHB-Sichtern bereits beim Deutschland-Cup mit dem Jahrgang w04 aufgefallen. Für sie nachgeladen wurde mit Leila Ott ein Riesentalent des Jahrgangs 2007. Das „Küken“ im Team machte ihre Sache außerordentlich gut und konnte wichtige Erfahrungen für die Zukunft mitnehmen. Neben den bereits genannten „All-Stars“ ist Juliane Martin aufgefallen. Mit guter Abschlussquote und einem starken Abwehrspiel machte sie auf sich aufmerksam. Einen guten Eindruck hinterließen auch Luisa Merkle und Svenja Demmel. Letztlich konnten aber alle Spielerinnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen und vertraten unser Bayern ganz herausragend.

Nach dem 8-Bezirke-Turnier wird der BHV-Kader neu zusammengestellt und dann zielgerichtet auf den Höhepunkt der bayerischen Kaderlaufbahn, den Deutschland-Cup, vorbereitet.